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Vom Thron gefallen
Der Mensch bezeichnet sich gerne als Krönung der Schöpfung. Ein Selbstbildnis, dass auch vom Klerus gern genährt wird. Von Demut ist hier nicht viel zu spüren. Aber werden wir dem gerecht? Hat der Mensch es verdient sich die Krone aufzusetzen und sich die Erde untertan zu machen? Und stehen wir wirklich so weit oben in der Hierarchie?

Um eine Vorstellung zu bekommen, von was wir hier gerade reden, muss man sich vor Augen halten, dass die Schöpfung nicht an dem eng bemessenen Horizont unserer Wahrnehmung ein Ende findet. Viele Menschen schaffen es noch nicht mal einen Blick über den Tellerrand zu werfen, geschweige denn auf ein größeres Ganzes.
Epochal gesehen sind wir gerade erst aufgetaucht. Die paar Millionen Jahre die wir und unsere genetischen Vorfahren hier verbracht haben sind nichts gegen die 13,7 Milliarden Jahre die das Universum alt ist. Gut, zu unserer Entschuldigung warum wir nicht von Anfang an dabei waren, lässt sich anführen dass es kurz nach dem Urknall ein wenig ungemütlich war. 100 Milliarden Grad Celsius, 100 Millionen Atmosphären Druck und Röntgenstrahlung um die jeder Radiologe neidisch wäre. Aber das ist schon eine Weile her. Seitdem dehnt sich das Universum aus. Sterne zündeten ihr nukleares Feuer und gebären an ihrem Lebensende mittels einer Supernova schwere Elemente wie Gold, Blei und Uran. Wenn Du Goldschmuck trägst, besteht eine 50% Wahrscheinlichkeit dass Du dich mit den Resten einer Sternenexplosion schmückst. Beeindruckt?
Unsere Erde dreht sich um die Sonne und bildet damit einen Teil unseres Heimat-Sternensystems. Dieses liegt an einem äußeren Spiralarm einer Galaxie namens Milchstraße die immerhin einen Durchmesser von 100000 Lichtjahren hat. Wenn selbst das Licht hunderttausend Jahre benötigt, kannst Du dir vorstellen, dass die Anzahl der darin enthaltenen Sternensysteme höher liegt, als Dollarnoten auf Bill Gates Bankkonto vor sich hin modern. Als wäre das nicht genug, ist die Milchstraße zwar eine nicht gerade kleine, aber auch nicht besonders große Galaxie - und nur eine von 100 Milliarden. Oder noch mehr. Wir befinden uns also auf einer Kugel am Rande (Kenner sagen, im Bahnhofsviertel nachts um zwei) einer ganz normalen Wald-und-Wiesen-Galaxie, in einem Universum in dem selbst die Milchstraße nur ein Krümel im Sandkasten ist. Man sollte meinen die Krone der Schöpfung residiert ein wenig herrschaftlicher.
Kommen wir zum Menschen selbst. Das von der herrschenden Kaste nicht viel zu erwarten ist, erleben wir in jeder Plenarsitzung. Aber dass der Mensch gleich so dumm sein kann, sollte uns zu denken geben. Kein anderes Lebewesen zerstört systematisch seine Lebens-Infrastruktur. Und das so nachhaltig. Wir rotten ganze Tierarten aus. Auf unserer Jagd nach Öl nehmen wir die Verseuchung unserer Meere in Kauf und berauben uns selbst der Nahrungsbeschaffung auf Schuppentierbasis. Nicht das es unsere Kiemenatmenden Freunde ohne Rohöl-Peeling besser hätten. Schleppnetzfischerei und Einleitung von Fabrikabwässer haben die Sache ganz gut im Griff. Machen wir es kurz. Überall da, wo unsere Natur nachhaltig zerstört wurde und wird, hat der Mensch seine Finger im Spiel.
Wir führen Kriege um unsere Hegemonialmacht-Fantasien auszuleben und unsere monetären Interessen abzusichern. Wir führen Kriege um den Glauben und weil wir jemand anderen auch einfach gar nicht mögen. Ganze Völker werden ob ihrer bloßen Existenz gejagt und vernichtet. Oder es wird zumindest versucht. Es klingt alles sehr verallgemeinernd und natürlich ist nicht jeder von uns ein umweltverseuchender, tiereschlachtender Psychopath der andere Menschen wegen eines nichtigen Grundes tötet. Aber ein Blick in den Spiegel sei gewährt. Bin ich frei von Schuld? Dürste ich nicht nach Benzin für mein Auto, nach eine leckeren Steak oder einem Karpfen? Begegne ich wirklich jedem Menschen vorurteilsfrei? Habe ich wirklich nie meine eigenen Interessen im Blick - zum eventuellen Nachteil anderer? Du blickst in den Spiegel und stellst Dir diese Fragen. Siehst Du in diesem Spiegel wirklich die Krönung der Schöpfung?